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Kreislaufwirtschaft: Aus Erde von U‑Bahn‑Bau werden Ziegel
wienerberger verwendet den Aushub eines Wiener U-Bahn-Tunnels als Baustoff für Ziegel. Welche Vorteile das bringt, erfahren Sie hier.
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wienerberger verwendet den Aushub eines Wiener U-Bahn-Tunnels als Baustoff für Ziegel. Welche Vorteile das bringt, erfahren Sie hier.
Bei dem Ausbau der Wiener U-Bahn wird Aushubmaterial sinnvoll weiterverwertet: wienerberger nutzt 35.000 Kubikmeter Erdmaterial zur Produktion von rund 2,8 Millionen Ziegeln – ausreichend für etwa 1.000 Einfamilienhäuser. Das Pilotprojekt zeigt, wie Ressourcen im Bauprozess effizient und nachhaltig genutzt werden können.
Die ganze Wiener Staatsoper gefüllt mit Erde – so gewaltig sind die Massen, die bei dem Ausbau der Wiener U-Bahn-Linie U2 bisher angefallen sind. Massen, die üblicherweise als Abfall kostenintensiv auf der Deponie entsorgt werden müssen. Doch nun bekommt ein Teil davon ein zweites Leben – als Baustoff für hochwertige Ziegel von wienerberger.
In einem gemeinsamen Pilotprojekt mit den Wiener Linien, dem öffentlichen Verkehrsbetrieb der Stadt Wien, verarbeitet wienerberger den Aushub aus der U2-Verlängerung zum Matzleinsdorfer Platz zu Ziegeln weiter. Denn das Erdmaterial, das bei den Tunnelgrabungen ausgehoben wird, enthält Ton – den wichtigsten Rohstoff für die Ziegelproduktion.
Normalerweise muss wienerberger Ton für seine Ziegel in den eigenen Tongruben abbauen. In diesem Pilotprojekt hingegen stammt er direkt aus dem Bauprozess.
Das bringt einen mehrfachen Nutzen: Einerseits werden natürliche Ressourcen geschont, weil wienerberger weniger neuen Ton abbauen muss. Andererseits entstehen weniger Deponieabfälle und damit verbundene Kosten.
"Ziel des Projekts ist es, aus einem vermeintlichen Abfallprodukt einen hochwertigen Baustoff zu erzeugen und damit einen regionalen Materialkreislauf zu etablieren."
Konkret handelt es sich um 35.000 Kubikmeter Aushubmaterial, das zu etwa 2,8 Millionen Ziegeln verarbeitet wird, statt auf der Deponie zu landen. Damit können rund 1.000 Einfamilienhäuser gebaut werden.
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Ein besonderer Vorteil des Pilotprojekts ist die unmittelbare Nähe von Rohstoffquelle und Produktion: Das von der Tunnelvortriebsmaschine "Debohra" am Matzleinsdorfer Platz ausgehobene Material wird direkt in das nur neun Kilometer entfernte Werk in Hennersdorf bei Wien transportiert.
Dort unterläuft es einer strengen Qualitätsprüfung: Wie ist die Zusammensetzung? Gibt es Verunreinigungen? Wie stark schrumpft das Material beim Trocknen? Wie steht es um Formbarkeit und Druckfestigkeit?
"Auch wenn diese Prozesse herausfordernd sind, haben wir in allen Bereichen grünes Licht bekommen. Deshalb sind die U-Bahn-Ziegel vollwertige Ziegel für den Markt", sagt Marchner.
Nach dem Laborcheck geht es in die Produktion – direkt in Hennersdorf sowie im Ziegelwerk in Göllersdorf: Der Lehm wird zerkleinert, gesiebt und mit Wasser gemischt. Dann wird die feuchte Tonmasse durch eine Presse gedrückt, in Ziegelform geschnitten und getrocknet. Anschließend kommen die Ziegel in den Ofen. Dort werden sie bei etwa 900 bis 1.000 Grad Celsius hart und stabil.
"Durch die lückenlose Qualitätskontrolle vor, während und nach der Produktion erreichen die Ziegel dieselbe Qualität wie die klassischen Ziegel aus unseren Tongruben. Es gibt keine Unterschiede bei Statik, Dämmung oder Schallschutz."
Genauso wie andere wienerberger-Produkte sind die U-Bahn-Ziegel im regulären Baustoffhandel erhältlich. Der Prägestempel "Wiener Ton" macht sie auf den ersten Blick erkennbar.
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Das Pilotprojekt zahlt auf die Nachhaltigkeitsstrategie von wienerberger ein, in der die Förderung der Kreislaufwirtschaft fest verankert ist. Ziel ist, Rohstoffe effizienter zu nutzen und dadurch Abfall zu reduzieren - etwa durch Teilen, Leasen, Wiederverwendung, Reparatur, Aufarbeitung und Recycling.
In der Praxis bedeutet das: Abfälle werden auf ein Minimum reduziert. Materialien werden so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf gehalten. Sie werden nach Ende ihres Lebenszyklus erneut genutzt, um weiterhin Wertschöpfung zu generieren.
Damit steht die Kreislaufwirtschaft im Gegensatz zur traditionellen Wegwerfwirtschaft, die auf große Mengen billiger, leicht zugänglicher Rohstoffe und Energie setzt.
"wienerberger versteht den Übergang zu einer kreislauforientierten Wirtschaft als eine große Chance. Wir entwickeln Produkte und Prozesse, die Abfall reduzieren und Ressourcen effizient nutzen. Dazu arbeiten wir an Innovationen, verbessern laufend die Produktion, prüfen Rohstoffe und Produktdesign und setzen neue Technologien und digitale Tools ein."
Im Zentrum stehen die Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit und Wiederverwendbarkeit von wienerberger Lösungen:
Besonders langlebige Produkte mit einer Lebensdauer von mehr als 100 Jahren: Eine lange Nutzungsdauer über Generationen hinweg ist ein zentrales Element der Kreislaufwirtschaft und ein klarer Gegensatz zur Wegwerfwirtschaft. Langlebige Produkte schonen Ressourcen und reduzieren Abfall.
Keramische Lösungen von wienerberger zeichnen sich durch extreme Beständigkeit aus und bleiben oft mehr als ein Jahrhundert im Einsatz. Bereits heute erzielt wienerberger mehr als vier Fünftel seines Umsatzes mit solchen besonders langlebigen Produkten.
Recycelbare und wiederverwendbare Produkte: Schon in der Produktentwicklung achtet wienerberger darauf, dass Materialien am Ende ihres Lebenszyklus erneut genutzt werden können. Mehr als 90% des Umsatzes entfallen auf recycelbare oder wiederverwendbare Produkte. Innovative Lösungen, wie wiederverwertbare Dachziegel oder modulare Click-Brick-Systeme, verringern nicht nur die Umweltbelastung, sondern stärken auch die Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig erhöht wienerberger laufend den Anteil an Sekundärrohstoffen und Recyclingmaterialien in der Produktion. Diese wiederaufbereiteten Ressourcen ersetzen Primärrohstoffe und leisten damit einen Beitrag zur Ressourcenschonung.
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Die Verwendung des Bodenaushubs der U-Bahn-Verlängerung zeigt, wie urbane Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert. Das Pilotprojekt bringt nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile:
Der Erfolg des Pilotprojekts wirft die Frage nach einer Fortsetzung oder Ausweitung auf. Für wienerberger durchaus eine Option. "Wir prüfen auch bei dem weiteren Ausbau der U2 Richtung Wienerberg sowie der U5 nach Hernals Möglichkeiten der Verwertung des Bodenaushubs", erzählt Marchner. Voraussetzung dafür sind jedoch eine entsprechend hohe Qualität des Aushubmaterials sowie wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen.
Neben Wien bieten auch andere Regionen in Österreich Potenzial für die Nutzung von Tonvorkommen im Sinne der Kreislaufwirtschaft – darunter der niederösterreichische Donauraum, Gmunden, die Südoststeiermark, das Klagenfurter Becken sowie die Regionen rund um Mattersburg und Eisenstadt.
Die wichtigsten Fakten zum U-Bahn-Ziegel
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Das Pilotprojekt von wienerberger und den Wiener Linien zeigt exemplarisch, wie Ressourcen in Großprojekten nachhaltig genutzt werden können. Dabei ist die Kreislaufwirtschaft ein zentraler Hebel.
Das übergeordnete Ziel ist, die Bauwirtschaft insgesamt nachhaltiger zu gestalten: durch ganzheitlich gedachte Bauprozesse und Materialien, die möglichst lange im Kreislauf bleiben.
Wenn Sie mehr über die Wiener U-Bahn-Ziegel von wienerberger erfahren möchten, lesen Sie hier.
Alles über die Kreislaufwirtschaft bei wienerberger können Sie in unserem Geschäftsbericht nachlesen.