Skip to content
Italcer Werk

Vom Reststoff zum Rohstoff: Kreislaufwirtschaft in der Produktion von Feinsteinzeug

Das wienerberger Unternehmen Italcer nutzt Kalkreststoffe aus der Rauchgasreinigung erfolgreich als Sekundärrohstoff für die Produktion von Feinsteinzeug.

02.09.2026 5 min

Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt die Keramikindustrie verstärkt auf Sekundärrohstoffe. Italcer, ein führender Hersteller hochwertiger keramischer Lösungen für Böden, Wände und Fassaden, widmet sich nun auch einem der bislang am schwierigsten verwertbaren Reststoffe der Branche: Kalk aus der Rauchgasreinigung. Im Keramikbezirk Sassuolo fallen davon jährlich rund 4.000 Tonnen an, die trotz ihres Potenzials als kalziumreiche Ressource traditionell entsorgt werden mussten. Die Lösung von Italcer zeigt, wie Forschung industrielle Reststoffe in wertvolle Ressourcen verwandeln kann.

Vom Abfallprodukt zur Ressource

Die Wiederverwendung dieses Materials ist technisch anspruchsvoll, denn bereits geringe Mengen können die Prozesse der keramischen Produktion beeinträchtigen. Zudem bestanden Bedenken hinsichtlich der Fluorverbindungen, die der Kalk während der Rauchgasreinigung bindet und die beim Brennprozess möglicherweise wieder freigesetzt werden könnten.

Italcer begann daher daran zu forschen, wie dieser Rückstand sicher in die keramische Produktion zurückgeführt werden kann, ohne sich auf die Prozessstabilität auszuwirken oder die Umweltverträglichkeit zu beeinträchtigen.

Material in einer Halle

Von einer langjährigen Herausforderung zur industriellen Lösung

Das Projekt begann 2022 mit Labor- und Industrietests im Werk Castel Bolognese von Italcer. Bereits nach etwa einem Jahr gelang die erfolgreiche Wiedereinführung des Kalkreststoffs in die Feinsteinzeugproduktion. Anschließend wurde das Verfahren nach Sassuolo übertragen, wo 2024 eine spezielle Aufbereitungsanlage den Betrieb aufnahm. Seit 2025 werden dort die Kalkrückstände zentral aus den Produktionsstätten für Feinsteinzeug von Italcer zurückgewonnen.

Nach weiteren technischen Untersuchungen und einer Umweltvalidierung durch die regionale Umweltschutzbehörde ARPAE genehmigten die Behörden die industrielle Umsetzung. Italcer Sassuolo wurde damit zum ersten Keramikstandort der Region, der Kalkrückstände aus anderen Keramikwerken annehmen und als Sekundärrohstoff verwerten darf.

Der entscheidende Durchbruch war der Nachweis, dass das Fluor während des Brennens bei rund 1.200 °C dauerhaft in die Struktur des Feinsteinzeugs eingebunden wird. Dadurch kann der Kalkrückstand sicher wiederverwendet werden.

Diese Lösung ist das Ergebnis mehrjähriger Forschung, umfangreicher Industrietests und kontinuierlicher Prozessoptimierung.

Positive Umwelt- und Wirtschaftsbilanz

Im Jahr 2025 wurden im Werk Sassuolo rund 205 Tonnen an Kalkrückständen aus den Produktionsstandorten der Italcer Gruppe zurückgewonnen. Dadurch konnte die Entsorgung dieses Materials vermieden werden, eine entsprechende Menge an Primärrohstoffen ersetzt und das Ziel der Italcer Gruppe unterstützt werden, Reststoffe aus der Keramikherstellung wiederzuverwerten.

Auf Basis der Betriebsdaten von 2025 führte die Initiative, nach Abzug der Transportkosten, zu geschätzten jährlichen Einsparungen von rund 80.000 Euro.

„Bei Italcer sind Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft nicht nur unsere ökologische Verantwortung. Sie sind wesentliche Treiber für Innovation. Das Projekt zur Wiederverwertung von Kalkreststoffen verdeutlicht, wie Forschung konkrete Vorteile für Umwelt und Unternehmen schaffen kann.“

Graziano Verdi

Graziano Verdi

CEO der Italcer Group

Eine Lösung mit Vorbildcharakter

Der Ansatz könnte auch in anderen Feinsteinzeugwerken mit vergleichbaren Brenn- und Prozessbedingungen umgesetzt werden, sofern standortspezifische technische und ökologische Prüfungen erfolgen. Italcer wird die Rezepturen weiter optimieren und zusätzliche sichere Einsatzmöglichkeiten für das Material untersuchen.

Das Projekt zeigt, wie Kreislaufwirtschaft zu einem integralen Bestandteil industrieller Prozesse werden kann, indem Rückstände aus einem Prozess als Rohstoffe für einen anderen genutzt werden. Für wienerberger verdeutlicht es, wie Materialkompetenz, Forschung und industrielle Zusammenarbeit Innovation, Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit in der Keramikproduktion fördern können.

„Kreislaufwirtschaft bedeutet nicht nur, Materialien zu recyceln, sondern auch zu verstehen, wie sie sicher und effizient in industrielle Prozesse reintegriert werden können. Dieses Projekt zeigt, wie ein Material, das traditionell als Abfall betrachtet wurde, durch Wissenschaft, Innovation und industrielle Zusammenarbeit zu einer wertvollen Ressource werden kann.“

Elisa Rambaldi

Research & Innovation Manager, Italcer Group

Gebrannte Feinsteinzeug-Muster

Vergleich von Referenzproben aus Feinsteinzeug mit Probekörpern, die Kalk aus der Rauchgasreinigung enthalten, nach dem Brennen bei 1.205 °C in einem Industrieofen. Unter den getesteten Bedingungen konnte das zurückgewonnene Material erfolgreich in die keramische Masse integriert werden, ohne sichtbare Unterschiede im fertigen Endprodukt zu verursachen.

Erfahren Sie mehr über wienerberger

Corporate Blog

Keine Neuigkeiten